Projekt MiDENTITY

(Mediale) Identitätskonstruktionen, transnationale Selbstverortungen & verkürzende Fremdzuschreibungen in der Migrationsgesellschaft am Beispiel von Jugendlichen in Wien

 

Im Zentrum des Projektes MiDENTITY steht die Frage, welche räumlichen Bezugspunkte Jugendliche in Wien für die Konstruktion ihrer eigenen natio-ethno-kulturellen Zugehörigkeiten (Mecheril 2010) heranziehen. Definieren sie sich selbst als Wiener und Wienerinnen, als Ottakringer/innen, als Chilen/innen oder Türk/innen, und welche Merkmale verbinden sie mit ihren jeweiligen (Teil)Identitäten? Welche Rolle spielen medial (re)produzierte, räumlich definierte Identitätskonzepte für diese soziale, räumliche und kulturelle Selbstverortung sowie für Fremdzuschreibungen? Fragen von Zugehörigkeit werden in unserer rezenten Migrationsgesellschaft medial permanent verhandelt. Im Projekt MiDENTITY geht es darum, Schülerinnen und Schüler dazu zu befähigen, Wirkungen von Medien sowohl auf die eigene Identitätsverortung zu reflektieren als auch im Hinblick auf die Zuschreibungspraxis Anderer zu natio-ethno-kulturellen Zugehörigkeiten zu hinterfragen.

Die Projektarbeit erfolgt auf mehreren Ebenen: Zum einen arbeiten Wissenschaftler/innen, Schüler/innen und Lehrer/innen gemeinsam daran, die Methode der kritischen Diskursanalyse für die jeweiligen Zielgruppen zu adaptieren. Zum anderen werden im Projekt über eine Fragebogenerhebung und Gruppendiskussionen die räumlichen und natio-ethno-kulturellen Bezugspunkte für die Zuschreibungspraxen Jugendlicher in Wien erfasst sowie mediale Diskurse über Raum-Identitätskonstruktionen analysiert. Die Erkenntnisse aus diesen Untersuchungen werden in der Folge zum Ausgangspunkt dafür genommen, bestehende Bezugspunkte kritisch zu reflektieren und eine Öffnung für alternative Identitätsmodelle anzustoßen. In drei Workshopreihen werden die beteiligten Schüler/innen nicht nur zu Erforscher/innen ihrer eigenen Praxen der Selbst- und Fremdverortung sondern greifen durch eine Intervention im öffentlichen Raum auch in die gesellschaftliche Debatte ein. Darüber hinaus werden im Projektrahmen didaktische Konzepte für die Umsetzung und Vermittlung kritischer Medienkompetenz und kritisch-emanzipatorischer Handlungskompetenz in der Lehrer/innenaus- und -fortbildung, im Schulunterricht sowie durch Peermentor/innen (Echo-Peers) ausgearbeitet.

Die drei wissenschaftlichen Hauptziele des Projektes

Ziel 1: Wissenschaftliche Erfassung und Analyse „natio-ethno-kultureller“ Selbstverortungen und Zuschreibungspraxen von Schüler/innen der Sekundarstufe II in Wien und ihres Umgangs mit derartigen Identitätskategorien mittels Fragebogenerhebung und Gruppendiskussionen.

Ziel 2: Jugendliche zu reflexivem (selbst)kritischem Umgang mit eigenen und medialen „natio-ethno-kulturellen“ Zuschreibungspraxen anregen und Alternativen der Selbst- & Fremdverortung abseits verkürzender räumlich-kultureller Kategorien erarbeiten.

Ziel 3: Adaption eines Analysewerkzeugs zur kritischen Medienanalyse (basierend auf der kritischen Diskursanalyse) zur selbständigen Anwendung von Lehrer/innen und Schüler/innen im Schulunterricht, sowie die Schulung von kritischer Medienkompetenz.